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- VL/PS/HS: Europäischer Humanismus und deutsche Sprache und Literatur * **
- VL/PS/HS: Einführung in die Dramen Shakespeares**
- PS/HS: Freibeuter und Piraten in Literatur und Film* **
- PS/HS: Ästhetik des Erhabenen* **
- PS/HS: Der Krieg gegen die Sowjetunion in der deutschen Literatur nach der Jahrtausendwende**
- PS/HS: Unendliche Weiten – Eroberung des Weltraums * **
- PS/HS: Schneller, höher, weiter – literarische Inszenierungen technischer Mobilität * **
- PS/HS: Wissenschaftliches Schreiben - Schreibwerkstatt
- PS/HS: Heinrich v. Kleists Erzählungen**
- PS/HS: Erfinder und technische Innovationen in der Literatur vom Mittelalter bis zur Frühaufklärung* **
- PS/HS: Prognostik und Literatur
VL/PS/HS: Europäischer Humanismus und deutsche Sprache und Literatur * **
Prof. Dr. Rudolf Bentzinger
Do 18-20 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 14.4.
Der Humanismus als spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Strömung in mehreren europäischen Ländern richtete bei aller Hinwendung zur griechisch-lateinischen Antike den Blick auf die Volkssprachen. Bei der Betrachtung der Leistung für Pflege und Weiterentwicklung der deutschen Sprache und Literatur wird einerseits auf die Vorbildwirkung des Lateins, andererseits auf die Bemühung um die Weiterentwicklung des Deutschen hingewiesen. Es kommen also lateinische Einflüsse auf das Deutsche zur Sprache, vor allem wenn ein Schriftsteller sein eigenes Werk ins Deutsche übersetzt hat, Schwerpunkt wird aber die Weiterentwicklung deutscher Sprache und Literatur selbst sein. Die Förderung der Prosaliteratur und ihre Verwendung in volkstümlichen Gattungen (Facetien, Fabeln, Sprichwörtersammlungen) werden ebenso dargestellt wie der Einsatz sprachlicher Mittel bei Belehrung und Polemik. Auch die mittelalterlichen Traditionen, auf denen die Literatur des Humanismus beruht, werden untersucht, ebenso die Auswirkungen des Humanismus auf die Reformation. Texte des Frühhumanismus (Ackermann aus Böhmen, Heinrich von Mügeln u.a.), des schwäbischen und elsässischen Humanismus (Niclas von Wyle, Albrecht von Eyb, Sebastian Brant u.a.), von Ulrich von Hutten werden interpretiert, desgleichen werden die im 16. Jahrhundert umfangreich rezipierten ins Deutsche übersetzten Erasmus-Schriften dargestellt.
Texte als Kopiervorlage stehen rechtzeitig im Sekretariat H 2049 und in der UB zur Verfügung.
Einführende Literatur:
Deutscher Humanismus 1480 - 1520. Verfasserlexikon. Hg. v. Franz Josef Worstbrock. Bd. 1f. Berlin/New York 2008ff.
Hans Eggers: Deutsche Sprachgeschichte. Bde. 1 und 2 (re 425, 426). Reinbek bei Hamburg 1986.
Joachim Knape: Das Deutsch der Humanisten. In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Hg. v. Werner Besch, Anne Betten, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger. 2. Teilband. Berlin/New York 2000, S. 1673-1681.
Geschichte der deutschen Literatur von der Anfängen bis zur Gegenwart. Begründet von Helmut de Boor und Richard Newald, Bd. IV/1: Hans Rupprich: Vom späten Mittelalter bis zum Barock. Erster Teil. München 1994.
Thomas Cramer: Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter (dtv 4553). München 2000.
Joachim Heinzle / L.P. Johnson/Gisele Vollmann-Profe (Hgg.): Literatur im Umkreis des Prager Hofs der Luxemburger (Wolfram-Studien XIII). Berlin 1994.
Anrechenbar entweder für die Ältere Deutsche Philologie oder die Neuere Deutsche Philologie
* anrechenbar für den Studiengang Vergleichende Literaturwissenschaft
** auch für BA (BA-Kult IS 4)
VL/PS/HS: Einführung in die Dramen Shakespeares**
Prof. Dr. Armin Geraths
Di 14 - 16 Uhr
Raum: H 0111
Beginn:.12.4.
Die Lehrveranstaltung besteht aus der traditionellen Vorlesung mit eingelagerten Übungsanteilen etwa im zeitlichen Verhältnis 2:1. Sie soll Studienanfänger (doch segmentweise auch Fortgeschrittenen) einen Überblick über die Dramen Shakespeares und ihre Rezeption, ihre szenische (mediale) Umsetzung und ihren zeitgenössischen Kontext vermitteln. Bei der Fülle des Materials wird die Konzentration auf die wichtigsten, inzwischen international kanonisierten Stücke sowie das Spektrum anerkannter sowie umstrittener Deutungsweisen vonnöten sein. Die vier großen Tragödien sowie einige (Tragi-)Komödien, soweit sie bis heute den Spielplan beherrschen, werden genauer zu analysieren sein. Ein zentraler Schwerpunkt liegt bei den politischen Stücken, besonders der Lancaster-Tetralogie, dem Gattungsunikum Troilus and Cressida und Coriolanus (Brecht-Variante).
Da die Veranstaltung partiell als Seminar durchgeführt wird und dem Erwerb von Scheinen, groß oder klein, dienen soll, bietet es sich an, das endgültige Semesterprogramm von Zahl und Interessen der Teilnehmer abhängig zu machen. Die vorhandenen Kenntnisse sowie die angestrebten Qualifikationsnachweise werden eingangs zu erkunden sein. Das endgültige Lehrprogramm wird mit den Teilnehmern abgesprochen und spätestens zur 3. Sitzung in Angriff genommen. Im kurzen Sommersemester ist dabei die Kunst des Weglassens von besonderer Bedeutung.
Eine Mindestteilnehmerzahl von 12 Interessenten wird vorausgesetzt, damit die Lehrveranstaltung sinnvoll durchgeführt werden kann und nicht gestrichen werden muss.
UNVERBINDLICHE Anmeldung erbeten bis 5. April 2011 an armin.geraths@berlin.de
Hier wäre der Zeitpunkt, wo man sich eine der preisgünstigen EINBÄNDIGEN Shakespeare-Gesamtausgaben (z.B. Alexander, Globe) zulegt, was mit den second-hand-Angeboten via
Amazon leicht zu bewerkstelligen ist.
Bibliographien und relevantes Textmaterial sowie jeweils aktualisierte Zusatzinformationen werden rechtzeitig ins Netz gestellt.
** auch für BA (BA-Kult IS 4)
PS/HS: Freibeuter und Piraten in Literatur und Film* **
PD Dr. Markus Bernauer
Mo 12-14 Uhr (teilweise als Blockseminar)
Raum: H 2051
Beginn: 18.4.
Piraterie ist seit einigen Jahren, und jüngst gesteigert, wieder Gegenstand öffentlichen Interesses. Seefahren am Horn kann heute so gefährlich scheinen, wie es vor 300 Jahren gefährlich war. Mit den Piraten von damals haben die modernen Seeräuber freilich wenig zu schaffen. Captain Avery, William Kid oder Blackbeard, Berühmtheiten des sogenannten „Goldenen Zeitalters" der Piraterie (1680-1730) waren Europäer, die in fernen Weltgegenden auf Beutezüge gingen. Manche ihrer Vorläufer (und ihrer Zunftgenossen) handelten im Staatsdienst, manche auf eigene Rechnung. Als Gesetzesbrecher und Abenteurer faszinierten sie die Zeitgenossen. Das Buch eines gewissen Captain Charles Johnson setzte ihnen gegen Ende des Zeitalters ein literarisches Denkmal, das bis ins 20. Jahrhundert Material für die Inszenierung von Piratengeschichten hergab. Die Piraten, historisch meist grausame Gesellen, werden in ihrer späteren literarischen und filmischen Adaptation freilich auch zu Helden ohne Fehl und Tadel stilisiert. In der Sozialforschung wurden sie - ein Teil des Banditenwesens - zu ‚Sozialrebellen' verklärt.
Das Seminar befasst sich mit der literarischen und filmischen Rezeption der Piraten in Romanen von Daniel Defoe bis zu Robert Louis Stevenson und in Filmen von Erroll Flynn bis zu Johnny Depp. Besprochen werden soll freilich auch die frühe Darstellung der Piraterie durch Johnson als Spiegelung des historischen Phänomens, die die späteren Formen der Verarbeitung wesentlich geprägt hat. Und besprochen werden soll die Spiegelung von Banditen und Piraten als Sozialrebellen - die andere Art der Idealisierung dieser Abenteurer, die vielleicht nicht ohne aktuelles Interesse ist.
Diese Romane sollten Sie kennen:
- Daniel Defoe: The Life, Adventures and Pyracies of the famous Captain Singleton (1720). Dt. Ausgabe in Daniel Defoe: Romane. Hrsg. von Norbert Miller. Bd. 1. München 1968 (u.ö.).
- Walter Scott. The Pirate (1821). Eine dt. Übersetzung kann kostenfrei heruntergeladen werden beim Projekt Gutenberg (gutenberg.spiegel.de, und dann weiter dem Inhaltsverzeichnis nach).
- James F. Cooper: The Red Rover (1827). Auf Englisch bei Googlebooks.
- Robert Louis Stevenson: Treasure Island (1883).
Von den Romanen Scotts, Coopers und Stevensons sind zahlreiche Ausgaben von Jugendbuchverlagen im Umlauf; diese sind gekürzt und bearbeitet. Bitte achten sie darauf, dass die gelesenen Texte vollständig und unbearbeitet sind.
Ein Handapparat wird eingerichtet. Zur Einführung können dienen:
· Captain Charles Johnson (= Daniel Defoe ?): A General History of the Robberies and Murders of the most notorious Pyrates. London 1724 ( = als Scan einsehbar http://digital.lib.ecu.edu/historyfiction/viewer.aspx?id=joh). Erweitere zweite Auflage London 1725 (neu hrsg. von Arthur L. Heyward. London 1955).
· Hans Leip: Bordbuch des Satans. Geschichte der Freibeuterei. München 1959 (u.ö.).
· Robert Bohn: Die Piraten. München 32007 (Beck'sche Reihe: Wissen).
* anrechenbar für den Studiengang Vergleichende Literaturwissenschaft
** auch für BA (BA-Kult IS 4) sowie MA GKWT (MA-GKWT 1/2)
PS/HS: Ästhetik des Erhabenen* **
Dr. Jens Hobus
Mi 16-20, 14-tägig
Raum: H 3003 A
Beginn: 13.4.2010
Das Gefühl des Erhabenen kann als eine der herausragenden Kategorien ästhetischer Theorie gelten - und zwar nicht nur, weil es einen zentralen Gegenbegriff zum Schönen bildet. Der Begriff des Erhabenen wurde zunächst in der Rhetorik durch (Pseudo)-Longin beschrieben und bezeichnete sowohl die Darstellung großer Themen als auch die überwältigende Macht der Rede auf die Zuhörer. Edmund Burke erfasste dann Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem Erhabenen alles, was schrecklich und groß ist. Demnach wäre das Erhabene ein gemischtes Gefühl, weil das Schreckliche beim Betrachter Unlust auslöse. Damit jedoch bestimmte Gegenstände eine erhabene Wirkung entfalten können - und letztlich als lustvoll erfahren werden - bedarf es der ästhetischen Distanz. So zeichnet sich das erhabene Gefühl durch eine Ambivalenz aus, denn die Lust beim Betrachter stellt sich allein über den Umweg der Unlust ein.
Immanuel Kant nimmt in der Geschichte des Erhabenheitsbegriffs eine entscheidende Umdeutung vor. Nicht mehr die Gegenstände und Naturkräfte gelten bei ihm als erhaben, sondern die Haltung des Subjekts, die jenen Kräften einen Widerstand entgegenbringt. So besteht die Funktion des Erhabenen nun darin, die Überlegenheit der Vernunft über das sinnliche Vermögen zu demonstrieren. Schiller übernimmt die von Kant entwickelte Theorie und macht sie für seine Dramen fruchtbar. Die Darstellung des Erhabenen wird zur vordringlichen Aufgabe seiner Theaterstücke.
In diesem Seminar geht es also zunächst darum, das ästhetische Phänomen des Erhabenen anhand seiner Begriffsgeschichte zu rekonstruieren. Dabei werden wir das Erhabene und seine Theorien in verschiedenen Kontexten (Rhetorik, Ästhetik, Literatur) untersuchen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, in welchem Zusammenhang das Erhabene mit der Melancholie und dem Humor steht, hatte Jean Paul doch den Humor als das „umgekehrt Erhabene" bezeichnet. Ebenso soll ein kurzer Blick auf das Erhabene in der Malerei gerichtet werden (Caspar David Friedrich).
Schließlich geht es in diesem Seminar um die Darstellung und Inszenierung des Erhabenen in der Literatur, so dass wir insbesondere die Umsetzung von Schillers Dramentheorie in seinen eigenen Stücken erörtern werden (Maria Stuart, Wilhelm Tell), aber auch schauen, inwieweit das Erhabene in der modernen Literatur noch eine Rolle spielt. Ziel des Seminars ist es somit, eine Einführung in die ästhetische Theorie und den Begriff des Erhabenen zu geben, um mit diesem Wissen literarische Texte untersuchen und beschreiben zu können.
Literatur:
Es wird zu Beginn des Semesters ein Reader im Copy-Shop der Universitätsbibliothek bereit gestellt. Zur Einführung sei folgender Band empfohlen: Preis, Christine (1989): (Hrsg.): Das Erhabene. Zwischen Grenzerfahrung und Größenwahn. Weinheim.
Weitere Texte: Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft; Friedrich Schiller: Über das Pathetische; Über das Erhabene; Edmund Burke: Vom Erhabenen und Schönen; Longinus: Vom Erhabenen.
* anrechenbar für den Studiengang Vergleichende Literaturwissenschaft
** auch für BA (BA-Kult IS 4) sowie MA GKWT (MA-GKWT 1/2)
PS/HS: Der Krieg gegen die Sowjetunion in der deutschen Literatur nach der Jahrtausendwende**
Boris Hoge
Mo 16-18 Uhr
Raum: H 3012
Beginn: 11.4.
Obschon mit der deutschen Wiedervereinigung wiederholt das Ende der deutschen Nachkriegszeit ausgerufen wurde, kann von einer Selbstbefreiung Deutschlands von den Altlasten der Geschichte auch nach der Wende keine Rede sein. Vielmehr sind gerade die Jahre nach 1989 geprägt von Kontroversen um deutsche Vergangenheit und Erinnerungskultur, welche mitunter bis in die Gegenwart hinein mit bemerkenswerter Heftigkeit geführt werden. Die Auseinandersetzungen um die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Osten Europas sowie um die angemessene Form der Erinnerung deutscher Opfer im Kontext von Verschleppung, Flucht und Vertreibung rücken dabei immer wieder auch das Verhältnis Deutschlands zur Sowjetunion bzw. Russland in Geschichte und Gegenwart in den Blick. Ausgehend von dem Befund, dass in den vergangenen zwanzig Jahren und insbesondere nach der Jahrtausendwende eine Vielzahl literarischer Texte mit Russland-Bezug erschienen ist, geht das Seminar der Frage nach, welche Bedeutung darin der Kriegsthematik sowie dem Erinnerungsaspekt zukommt. In welchem Verhältnis stehen die zu betrachtenden Romane und Reiseberichte zu den außerliterarischen Geschichts- und Gedächtnisdebatten? Welche Konzepte von Geschichte, Gedächtnis und Erinnerung liegen ihnen dabei zugrunde? Zu besprechende Primärtexte werden sein: Ulla Hahn: Unscharfe Bilder (2003); Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders (2003); Wolfgang Büscher: Berlin - Moskau (2003); Herta Müller: Atemschaukel (2009). Ein Reader mit relevanter Sekundärliteratur wird bereitgestellt.
Anforderungen: Interesse an Fragen deutscher Erinnerungskultur sowie Freude an einer leseintensiven und theoretisch fundierten Beschäftigung mit neuester deutscher Gegenwartsliteratur. Die Bereitschaft zur Lektüre der angegebenen Texte gilt als unbedingte Teilnahmevoraussetzung und wird ggf. überprüft. Bei Fragen im Vorfeld stehe ich gerne zur Verfügung (boris.hoge@gmx.de).
** auch für BA (BA-Kult IS 4)
PS/HS: Unendliche Weiten – Eroberung des Weltraums * **
Dr. Gesa Horstmann
Di. 12-14 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 12.04.
„Der Weltraum - unendliche Weiten" - mit diesen einleitenden Worten flimmerten seit Mitte der 60er Jahre tausendfach die von Gene Roddenberry verfilmten „Abenteuer des Raumschiffs Enterprise" über die Bildschirme und erreichten weltweit Kultstatus. Der Traum von der Eroberung des Weltraums ist allerdings deutlich älteren Ursprungs und lässt sich - wie viele Menschheitsträume - bereits in der Antike verorten. Entscheidende Impulse erhalten die Weltraumphantasien mit den wissenschaftlichen Explorationen des 17. Jahrhunderts, die durch die Konstruktion des astronomischen Fernrohrs (1611 durch Johannes Kepler) ermöglicht wurden. Von da an wird das Weltall auf eine nicht mehr rein parabelhafte, sondern sehr viel konkretere Weise literarisch interessant. Spekulationen über mögliches Leben auf anderen Welten verbinden sich mit physikalischen Reflexionen und Gedankenexperimenten über deren Erschließung und Eroberung: in Texten wie Johannes Keplers Traum (Somnium, 1609) und Cyrano de Bergeracs Reise zum Mond (Les États et Empires de la Lune, postum 1657) könnte man Vorläuferformen der Science Fiction veranschlagen.
Das fortschrittsoptimistische spätere 19. Jahrhundert bringt mit den Werken von Jules Verne und H-G. Wells die Geburtsstunde der modernen Science Fiction in den beiden grundlegenden Modi, die das Genre bis heute bestimmen: Den physikalisch-technischen und den zwischen Soziologie, Verhaltensbiologie, Physiologie und Psychologie changierenden utopischen Spekulationen, die auf Formen des Lebens und Zusammenlebens gerichtet sind. So infiziert und infiltriert die Eroberungsvisionen von Verne, Wells und anderen Autoren von den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Innovationen ihrer Zeit sind, so sehr wirken diese nicht allein literarisch weit über ihre Zeit hinaus. Die Anfänge der wissenschaftlich-technischen Raketenforschung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeichnen sich aus durch die Verflechtung von literarischem Gedankenexperiment und technischen Inventionen. Für die erste Generation der Raketenbauingenieure stehen literarische Imagination und ingenieurwissenschaftliche Forschungstätigkeit in engstem Zusammenhang: So verfasst z.B. Hermann Oberth, einer der wichtigsten Pioniere der Raketenforschung, nicht nur mehrere erfolgreiche Zukunftsromane, er ist auch beratend an der Ausstattung von Fritz Langs Film Die Frau im Mond (1929) beteiligt; Oberths wohl prominentester Schüler, Wernher von Braun, der in den 30er/40er Jahren maßgeblich an der Entwicklung der Vernichtungswaffe V2 beteiligt war, kam - nach eigenem Bekenntnis - durch literarische Inspiration zur Raketenforschung; ein Beispiel, das auf die Perspektive der möglichen unheilvollen Konsequenzen der Abenteuerideologie des 19. Jahrhunderts verweist. Dieser Zusammenhang von „Science in Fiction" und „Fiction in Science", der auch nach dem zweiten Weltkrieg, in den Zeiten von „Kaltem Krieg" und „space race", von Wiedervereinigung und Globalisierung seine Fortsetzung findet, soll in diesem Seminar anhand exemplarischer Beispiele unterschiedlichster Provenienz aus dem 19. und 20. Jahrhundert untersucht werden.
Detaillierte Informationen zum Seminarplan sowie den Teilnahmebedingungen erhalten Sie in der ersten Seminarsitzung.
Die folgenden drei Romane sind von allen TeilnehmerInnen zu erwerben und vor Beginn des Seminars zu lesen:
Jules Verne: Von der Erde zum Mond: Direktflug in 97 Stunden 20 Minuten, übers. v. Volker Dehs, München (dtv) 2008 (9,90 Euro) / Reise um den Mond, übers. v. Martin Schoske, Frankfurt am Main (Fischer) 2001 (9,90 Euro) // Herbert George Wells: Die ersten Menschen auf dem Mond, übers. v. W. v. Grünau, München (dtv) 1996 (9,50 Euro)
* anrechenbar für den Studiengang Vergleichende Literaturwissenschaft
**auch für BA (BA-Kult IS 4 und BA-Kult IS 5), MA GKWT (MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4)
PS/HS: Schneller, höher, weiter – literarische Inszenierungen technischer Mobilität * **
Dr. Gesa Horstmann
Do 12-14 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 14.04.
Am Anfang war die Dampfmaschine - der Einsatz der Dampfkraft zur Fortbewegung ermöglicht die Überwindung der „natürlichen" Grenzen, die der Mobilität durch Muskelkraft, durch Wind- und Wasserströmungskräfte gesetzt sind.
Auch wenn uns aus heutiger Perspektive die ersten dampfgetriebenen Fahrten um 1840 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h eher biedermeierlich-beschaulich anmuten - die Zeitgenossen registrierten diese neue Art der Fortbewegung als nicht nur technisches, sondern vor allem auch kulturhistorisch-revolutionäres Ereignis, als Beginn eines neuen Zeitalters, in dem die Koordinaten von Raum und Zeit neu erfahren und definiert werden müssen. Symptomatisch schon für die zahlreichen Dokumente dieser ersten Phase der „künstlichen" Produktion von Geschwindigkeit ist das Changieren zwischen Fortschrittsoptimismus und -skeptizismus, zwischen Technikeuphorie und Technikphobie. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wird geradezu fieberhaft an der Leistungssteigerung und räumlichen Verbreitung der technischen Beschleunigung gearbeitet; immer mehr und immer längere Strecken gilt es in immer kürzerer Zeit zu überwinden. Das „Tempovirus" überträgt sich epidemisch in immer mehr Lebensbereiche und damit auch auf die physische und psychische Verfasstheit des Menschen: „Nervosität" oder - in der medizinischen Terminologie der Zeit - „Neurasthenie" sind die Folgen der technischen Entgrenzung und werden zur Signatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die neuen Fortbewegungsmittel des 20. Jahrhunderts, das Automobil und das Flugzeug, besiegeln den Wechsel vom Maschinenzeitalter zum Zeitalter der Beschleunigung; mit diesen technischen Inventionen geht es noch „schneller, höher, weiter".
In diesem Seminar soll die hier anskizzierte Kulturgeschichte der Beschleunigung von der Einführung der Dampfkraft bis ins 20. Jahrhundert anhand exemplarischer Beispiele zur literarischen Inszenierung technischer Mobilität in gemeinsamen Lektüren nachgezeichnet werden; besonderes Augenmerk soll dabei den sehr heterogenen Diskursen gelten, die sich in die literarischen Texte einschreiben.
Detaillierte Informationen zum Seminarplan sowie den Teilnahmebedingungen erhalten Sie in der ersten Seminarsitzung.
* anrechenbar für den Studiengang Vergleichende Literaturwissenschaft
** auch für BA (BA-Kult IS 4 und IS 5) sowie MA GKWT (MA-GKWT 1/2)
PS/HS: Wissenschaftliches Schreiben - Schreibwerkstatt
Dr. Gesa Horstmann
Fr 10-12 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 15.4.
Kommentar folgt
PS/HS: Heinrich v. Kleists Erzählungen**
Prof. Dr. Wolfgang Rath
MI 14 - 16 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 13.04.2011
Heinrich von Kleists Erzählungen gelten als stilistische Kostbarkeiten der Literatur um 1800. Sie stehen zwischen der Novellenform und der modernen Erzählweise, die hier eine frühe Begründung erfährt. Kleist erzählt in einem Reportagestil hart und konzentriert von Katastrophen, von der Auflösung traditioneller Zusammenhänge und Sinngebungen. Wahr und falsch, gut und böse, Schuld und Sühne oder Erlösung verrätseln sich und halten sich in einer Schwebe, die typisch für modernes Erzählen ist.
Das Seminar führt in die Werkstatt des Stilisten Kleist. Es geht um die Recherche der sprachlichen Mittel und Formgebung. Sie werden vor dem Hintergrund des Kleistschen Denkens thematisiert, vor allem also im Zusammenhang mit Kleists berühmtem Aufsatz über das Marionettentheater, der ein Kernstück moderner Poetik darstellt.
** auch für BA (BA-Kult IS 4)
PS/HS: Erfinder und technische Innovationen in der Literatur vom Mittelalter bis zur Frühaufklärung* **
Ronny F. Schulz
Mi 14-16 Uhr
Raum: H 3008
Beginn: 13.4.
Zur (Selbst-)Stilisierung von Schriftstellern und Künstlern in Literatur ist eine ganze Reihe von Arbeiten in der Literaturwissenschaft erschienen. Wie sieht es aber mit den Erfindern und ihren Werken aus? Die technischen Künste, die artes mechanicae, galten bis ins 16. Jahrhundert als eine Anleitung, um Wunderwerke hervorzubringen, mit deren Hilfe man die Natur überlisten könne. Waren Erfindungen in diesem Bereich deshalb der „Zauberei" verdächtig? Wie haben sich die bedeutenden Einzelerfindungen wie die mechanische Uhr, der Buchdruck, die Seekarten auf literarische Werke ausgewirkt, welche Rolle kommt im literarischen Kontext der vom Menschen geschaffenen Maschine in der frühen Neuzeit zu? Weshalb erfreute sich die heuremata-Literatur (Erfindungskataloge) von der Antike bis in die Neuzeit hinein großer Beliebtheit?
Diesen und anderen Fragen wollen wir in dem Seminar anhand von literarischen aber auch wissenschaftlichen Texten der jeweiligen Epoche nachgehen. Das Seminar unterteilt sich in fünf Abschnitte: 1. Mittelalter; 2. Einzelerfindungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit; 3. Deutschland und die italienische Renaissance; 4. Erfindungen im Barock; 5. Mensch und Maschine im 17. und 18. Jahrhundert.
Das Seminar findet wöchentlich statt.
Zu Beginn des Semesters wird ein Reader mit den wichtigsten Seminartexten als Kopiervorlage im Sekretariat H 2049 bereitgestellt.
Anrechenbar entweder für die Ältere Deutsche Philologie oder für die Neuere Deutsche Philologie
* anrechenbar für den Studiengang Vergleichende Literaturwissenschaft
**auch für BA (BA-Kult IS 4)
PS/HS: Prognostik und Literatur
PD Dr. Stefan Willer
Do 10-12 Uhr Raum: H 3003 A Beginn: 14.04. Was kann man von der Zukunft wissen? Die Antworten auf diese Frage fallen sehr unterschiedlich aus, je nachdem, ob man die Zukunft als Bereich göttlicher Vorsehung, individueller Lebensplanung oder versicherungstechnischer Risikoabwägung versteht, ob man sie durch genaue Beobachtung der Vergangenheit und Gegenwart entschleiern oder als radikal offenen Möglichkeitsraum entwerfen möchte. Solche Unterschiede zeigen sich vor allem im historischen Vergleich. Sie reichen von antiken Wahrsagetechniken über christliche Heilsgewissheit bis hin zur Vielfalt des neuzeitlichen und modernen Zukunftswissens zwischen Statistik und Futurologie. Für die Literaturwissenschaft ist es von besonderem Interesse, dieses Wissen auf seine sprachliche Darstellbarkeit hin zu befragen, also die Untersuchung von "Voraus-Erkenntnis" (Pro-Gnosis) mit der Untersuchung futurischer Aussageweisen zu verknüpfen. Das Seminar erkundet literarische Darstellungen des Zukunftswissens vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die zentralen Texte stammen aus drei Jahrhundertwenden: Friedrich Schillers dreiteiliges Wallenstein-Drama (1798/99) handelt vom strategischen und astrologischen Zukunftswissen, womit sich zugleich dramentheoretische und -technische Begriffe wie Schicksal und Vorausdeutung diskutieren lassen; H. G. Wells' Science-Fiction-Roman The Time Machine (1895) behandelt das seither klassische Thema der Zeitreise in die Zukunft als erzählerische, aber auch als erkenntnistheoretische Herausforderung; Kathrin Rögglas Erzählband die alarmbereiten (2010) entwickelt aus aktuellen Risiko- und Gefahrendiskursen (Finanzkrise, Klimakatastrophe) ein literarisches Szenario, in dem es nicht zuletzt um die Möglichkeit individuellen Sprechens angesichts durchgehend 'alarmierter' öffentlicher Debatten geht. Texte zur Anschaffung: Friedrich Schiller: Wallenstein I (Wallensteins Lager, Die Piccolomini) und II (Wallensteins Tod), Stuttgart: Reclam 1986 (RUB 41 und 42, zusammen € 6,60). H.G. Wells: The Time Machine, hg. von Dieter Hamblock, Stuttgart: Reclam 2003 (RUB 9176, € 4,40) Weitere Texte werden als Kopiervorlagen zur Verfügung gestellt. Eventuelle Rückfragen bitte per e-Mail an willer@zfl-berlin.org