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TU Berlin

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Lehrveranstaltungen WiSe 2013/2014

Lehrveranstaltung PD Dr. Stefan Willer

Vorlesung

Kulturen der Demografie

LV-Nr.:  3131 L 001

MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT FP33, MA-GKWT FP 34

Di 16 - 18 Uhr; Raum: HU Berlin, Unter den Linden 6, Raum 2002
Beginn: 29.10.2013

Das "Wissenschaftsjahr 2013" ist in Deutschland offiziell der Demografie gewidmet. In der diesbezüglichen Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird die gängige Redeweise vom demografischen Wandel in die optimistische Formel "Die demografische Chance" umgeändert: Statt der drohenden Überalterung der deutschen und anderer europäischer Gesellschaften betont man die positiven Aussichten von Langlebigkeit und Zuwanderung und entdeckt das Innovationspotenzial einer sich verändernden Gesellschaftsstruktur. Eine solche politische Aneignung demografischer Befunde und Projektionen ist nicht ungewöhnlich – schließlich war die Demografie seit ihren Anfängen eine staatliche, gouvernementale Angelegenheit.

Um so mehr bietet das laufende "Wissenschaftsjahr" den Anlass für eine kulturwissenschaftliche und kulturgeschichtliche Perspektivierung des Bevölkerungswissens. Genau das ist Gegenstand dieser Vorlesung. Erläutert werden Grundbegriffe der Demografie (Fertilität, Mortalität, Migration, Transition) und Stationen der Demografiegeschichte (von der politischen Arithmetik des 17. und 18. Jahrhunderts bis zur heutigen Herausforderung globaler Bevölkerungspolitik bei gleichzeitiger Ausrichtung der demografischen Wissenschaft auf die life sciences). Vor allem aber geht es um die kulturelle Verfasstheit des wissenschaftlichen und politischen Gegenstands demos (im Sinne der territorial gebundenen und zu verwaltenden Bevölkerung) sowie um damit einhergehende kulturelle Imaginationen (Alter/-n, Wachstum, Schrumpfung, Aussterben).

Lehrveranstaltungen Dr. Jeannie Moser

Seminare

Wissenspoetik (Einführung)

LV-Nr.: 3131 L 027

MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT FP 33, MA-GKWT FP 34

Di 10-12 Uhr; Raum: H 2051
Beginn: 15.10.2013

Das Seminar bietet eine methodische und theoretische Einführung in das Forschungsfeld der Wissenspoetik, das auf der Überzeugung gründet, dass Wissen und seine Artikulation auf eine überaus signifikante Weise miteinander verkoppelt sind. Formen sprachlich-symbolischer Repräsentation und Verfahren narrativer Gestaltung bringen natürliche, künstliche, soziale wie politische Phänomene, auf die sich Erkenntnisinteresse richtet, mit hervor, verleihen ihnen Stabilität und legitimieren sie bisweilen. In Prozessen der Wissensbildung selbst lassen sich wiederum ästhetische Figuren und rhetorische Strukturen erkennen. Unter einer wissenspoetischen Perspektive erscheinen Literatur und Wissenschaft nicht als verfeindete Antagonisten, sondern als komplementäre, auf einander angewiesene Verbündete.

 

Versuchskultur | Literatur und Experiment

LV-Nr.: 3131 L 028

MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3, MA-GKWT FP 33, MA-GKWT FP 34

Di 14-16 Uhr; Raum: H 2051
Beginn: 15.10.2013

Das Experiment ist eines der prominentesten Verfahren moderner Wissensproduktion. Dieses szientifische Verfahren par excellence, das bekanntermaßen der Genese eines Wissens dient, das sich als faktisches behaupten will, kommt auch im epistemischen Milieu der Literatur zur Anwendung: dann etwa, wenn Literatur im Modus der Fiktion Neues und Unbekanntes erforscht oder unter kontrollierten Bedingungen Wahrscheinliches und Mögliches artikuliert. Der funktionalen Ausdifferenzierung von Literatur und Wissenschaft im 18. Jahrhundert zum Trotz ist damit das Experiment ein transdisziplinäres und heterogenes Konzept, das sich durch die Operationen beider Kulturen füllt und definiert. Das Ziel des Seminars ist, den Versuch als kulturhistorische, epistemologische und poetologische Kategorie zu fassen. Es gilt den fiktiven Dimensionen, poetischen Strukturen und Dynamiken im (natur-)wissenschaftlichen Experiment ebenso wie dem szientifischem Wissen und den explorativen Strategien im literarischen Text.

Lehrveranstaltungen Boris Gösl

Seminar

High Definition|Low Resolution: Auflösungsvermögen und Schwellenwerte bei Bild, Ton, literarischen Texten und Wahrnehmung als ästhetische Kriterien

LV-Nr.: 3131 L 026

MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT FP 33, MA-GKWT FP 34

Mi 12-14 Uhr; Raum: H 2051
Beginn: 16.10.2013

Das Seminar wird versuchen, anhand exemplarischer ästhetischer Artefakte und theoretischer Texte die aufeinander bezogenen Konzepte von Auflösungsvermögen und Wahrnehmungsschwellen als neue, ungewohnte Vergleiche ermöglichende, Analysekategorien zu erproben.

Der Begriff der Auflösung soll ausdifferenziert verstanden werden: sowohl als räumliche Bildauflösung (Pixel, Punktdichte, Körnigkeit), aber auch als zeitliche Auflösung (Frequenz). Nicht nur Bilder, sondern auch akustische Medien (MP3) und sogar Texte sollen im Hinblick auf ihre Auflösung neu untersucht werden: erkenntnisleitend wäre hier eine Neuperspektivierung etwa des Verhältnisses von Erzählzeit zu erzählter Zeit in narrativen Texten (‚Erzähl-Auflösung‘ von dehnendem, deckendem, raffendem Erzählen), aber auch von Konzepten wie ‚semantischer Dichte‘ oder ‚syntaktischer Fülle‘ (Nelson Goodman).

Auch die historisch stets als Desiderat formulierte und später realisierte Verkleinerung der Sternscheibchendurchmesser in der Planetariums-Projektionstechnik kann als Beispiel einer Historisierung des Phänomens der Auflösung dienen (vgl. das DFG-Projekt „Zeit – Bild – Raum“). So werden seit der illusionshistorischen Zäsur 1989 die Planetariums-Sterne dank Glasfaseroptik tatsächlich sternförmig/punktförmig, d.h. verdichtet, unterhalb der Auflösungsgrenze des menschlichen Auges von etwa einer Bogenminute, darstellbar.

Ein weiteres Beispiel wird auch das Video-Bild der Erde als Bildpunkt durch die Voyager-Raumsonde (1990) sein. Das eigentliche optische Bild des Pale Blue Dot selbst war (von der Kamera-Optik unauflösbar) aus der Perspektive der Sonde sichelförmig. Erst die mediale Form des Pixels selbst (als kleinstes Bildelement morphologisch indifferent gegenüber Kleinerem) ‚über-formte‘ also das Erscheinungsbild als medientechnisches Artefakt zum vollständigen Bild-Punkt: in der Unterschreitung jener der visuellen Wahrnehmung noch vorgängigen technischen Auflösungsgrenze liegt auch eine doppelte Verfremdungsfunktion.

Referenz für die Bestimmung von Grenzen/Schwellen der Auflösung wird dabei letztlich immer die menschliche Wahrnehmung sein, was Bezüge zur Geschichte der psychophysischen Ermittlung des Differenzlimens (eben noch merklicher Unterschied) ermöglicht.

Der Astronom Bruno Binggeli etwa führt anschaulich eine bestimmte (Un-)Unterscheidbarkeit in der Nähe der

Auflösungsgrenze der Augen vor Augen, wenn er das Problem der Identifizierung von Supernovae auf astronomischen Fotoplatten auf den Punkt bringt: „und wirklich war es fast jedesmal bloß ein Staubkorn auf der Platte gewesen, das eine Supernova vortäuschte“ (Bruno Binggeli: Primum Mobile: Dantes Jenseitsreise und die moderne Kosmologie, Zürich: 2006, 15).

Auch sollen exemplarisch technikgeschichtliche Experimente studiert werden, wie z.B. der Versuch, die zeitliche Auflösung der filmischen Bewegungsillusion optimal zu steigern, wie es in den 1970er Jahren mit der Showscan-Technologie (mit 60 Bildern pro Sekunde für eine hyperrealistische Bewegungsauflösung) angestrebt wurde – ein Konzept das heute mir der High-Frame-Rate-Projektion eine Renaissance erlebt.

Schließlich soll auch das fundamentale Auflösungsformat der Wahrnehmung/des Bewusstseins per se in den Blick geraten und mit Christof Koch gewissermaßen umgekehrt gefragt werden: „Vollzieht sich unsere Wahrnehmung tatsächlich so kontinuierlich, wie es uns erscheint, oder lässt sie sich vielmehr in diskrete Intervalle zerlegen, ähnlich den Einzelbildern eines Films?“ (Koch.: „Kintopp der Sinne“, in: Carsten Könneker, Hg.: Wer erklärt den Menschen?, Frankfurt a. M.: 2007, 36).

Lehrveranstaltungen Dr. Mai Wegener

Seminar

PS/HS  Jacques Lacan: "Kant mit Sade" - Lektüreseminar

LV-Nr.: 3131 L 034

MA-GKWT , MA-GKWT 5/3

Mi 16 - 18 Uhr; Raum: H 2051
Beginn: 16.10.2013

Was haben die Philosophie der Aufklärung und insbesondere die Ethik Kants mit den von Gewaltorgien durchzogenen, die Lust an der Grausamkeit predigenden Texten Marquis de Sades zu tun? Gibt es neben der Nähe ihrer Entstehungsdaten auch andere, inhaltliche Überschneidungen?
Jacques Lacan behauptet eben dies in seinem Text "Kant mit Sade" (1963/66) - wie vor ihm bereits, wenn auch in anderer Weise, Horkheimer und Adorno in der "Dialektik der Aufklärung" (1944).
Im Zentrum des Seminars steht die genaue Lektüre von Lacans Text. Von ihm ausgehend sollen aber auch Kant und Sade selbst, sowie Ausschnitte aus der "Dialektik der Aufklärung" gelesen und diskutiert werden.

Lehrveranstaltung Prof. Dr. Katja Rothe/ Dr. Nina Wiedemeyer

Seminar

Provisorische Dinge: Dingkultur und Materialwissen

MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3

Do 10-12 Uhr; Raum: UdK
Beginn: 16.10.2013

Das Seminar fragt nach dem Techniken des Entwerfens und dem Wissen provisorischer Dinge in Kunst und Wissenschaft. Dabei wird die Perspektive der Werkzeuge, Techniken und des Modellierens an den Dingen in das Zentrum des Interesses gerückt. Welche Rolle spielen Collagen, Materialsammlungen, Zeichnung, Bauprobe, Figurinen, Skizze, Muster, Modell usw. im künstlerischen bzw. wissenschaftlichen Produktionsprozess? Diese Techniken des Entwerfens arbeiten mit provisorischen Dingen, die aktiv am Entwurfsprozess beteiligt sind. Sie sind dabei „provisorisch“ im doppeltem Sinne: a) offen, unfertig und vergänglich, gleichzeitig aber tragen sie b) im Sinne der Vorsorge zum Gelingen des Werkes bei. Sie ermöglichen ein experimentelles, audio-visuelles, sinnliches Erforschen der Möglichkeiten, des Unbekannten oder Ungedachten.

Das Provisorische ist aber gleichzeitig auch zur Präsentationsform von Kunst, Kultur und Waren geworden. Der Kunstmarkt präsentiert sich ebenso in Provisorien wie gegenwärtige Arbeitsverhältnisse mit dem Provisorischen rechnen. Das Provisorische kann man gar als einem Zustand kapitalistischer Ökonomie verstehen, die mit dem Immateriellen Gewinne aus Zukünftigen, Möglichen und Offenen erzielt. Das Seminar diskutiert, wie sich diese beiden Aspekte des Provisorischen als Technik des Entwerfens und des Ökonomischen zueinander verhalten, lotet ihre Widersprüche wie Gemeinsamkeiten aus.

Das Seminar richtet sich an Studierende der UdK und TU Berlin. Die Studierenden stellen jeweils provisorische Dinge aus ihrer praktischen künstlerischen/wissenschaftlichen Arbeit oder ihrem Lebensumfeld vor und kontextualisieren diese historisch, medial und/oder theoretisch. Es ist angedacht, die Ergebnisse in einer Ausstellung zu präsentieren.

 

TeilnehmerInnenzahl: max. 20

3 Blockseminare a 10 SWS

Termine:

- Einführung: 05.11.2013, 10:00-13:00

- 1. Block: 29.11.2013, 10:00-20:00

- 2. Block: 20.12.2013, 10:00-20:00

- 3. Block: 31.01.2014, 12:00-22:00 (mit Ausstellungseröffnung)

Literatur:

Ferus, Katharina / Rübel, Dieter (Hg.): „Die Tücke des Objekts“. Vom Umgang mit Dingen. Berlin 2009.

Gänshirt, Christian: Werkzeuge für Ideen: Einführung ins architektonische Entwerfen. Basel 2007.

Gethmann, Daniel / Hauser, Susanne (Hg.): Kulturtechnik Entwerfen. Praktiken, Konzepte und Medien in Architektur und Design Science, Bielefeld 2008.

Ingold, Tim: "The textility of making", in: Cambridge Journal of Economics 34 (2009), S.91-102.

Lévi-Strauss, Claude: Das wilde Denken, Frankfurt a.M. 2009.

Liessmann, Konrad Paul: Das Universum der Dinge. Zur Ästhetik des Alltäglichen. Wien 2010.

Mareis, Claudia / Joost, Gesche / Kimpel, Kora (Hg.): Entwerfen – Wissen – Produzieren. Designforschung im Anwendungskontext. Bielefeld 2010.

Mattenklott, Gundel / Weltzien, Friedrich: Entwerfen und Entwurf. Praxis und Theorie des künstlerischen Schaffensprozesses, Berlin 2003.

Piedmont-Palladino, Susan C. (Hg.): Tools of Imagination. Drawing Tools and Technologies from the Eighteenth Century to the Present. New York 2007.

 

Teilnahmevoraussetzung ist die Anmeldung unter: n.wiedemeyer@udk-berlin.de; katja.rothe@udk-berlin.de.

Lehrveranstaltung Prof. Dr. Roland Posner

Seminar/Arbeitsgemeinschaft

Kultur als System von Diskursen

LV-Nr.:  3135 L 276

MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT FP 33, MA-GKWT FP 34

Do 10-12 Uhr ; Raum: FH 414
Beginn:  17.10.2013

Versteht man unter „Diskurs“ eine Menge von Texten über dasselbe Thema, die innerhalb einer bestimmten (nach der Zukunft hin offenen) Zeit an einem bestimmt Ort von Mitgliedern einer bestimmten Gesellschaft produziert wurden, so kann man jede Kultur als System von Diskursen auffassen.

Diskurse können nicht nur sprachliche, sondern auch gestische, bildliche, filmische, musikalische, architektonische usw. Codes benutzen und beeinflussen einander gegenseitig, so dass Kulturwandel inklusive Tabubildung und Tabubruch aus der Dynamik des Diskurssystems heraus erklärbar wird. Die Gültigkeit dieser Hypothesen wird an Hand ausgewählter Beispiele mit Bezug auf Cassirer, Panofsky und Sandel diskutiert.

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